Ein Bericht von Hartmuth Schlachter
Nach wochenlangem Training bei Eis und Schnee, einer Vizemeisterschaft bei der DM über 50 km und einem 4. Platz bei der DM im Marathon hatte ich eigentlich keine Lust mehr zu laufen, ließ mich aber vom „Heimspiel“ am Werdersee locken: KSBU Backyard Ultra- teilweise auf unserer „Seerunde mit Schlenker“. Das Format kannte ich ja schon: Jede Stunde eine Runde (von 6,7 km), alle starten nach einer Stunde wieder gemeinsam, gewonnen hat nicht der Schnellste, sondern der, der am längsten durchhält.
Start war wieder mit Sonnenaufgang um 5:25 Uhr. Im letzten Jahr war ich 13 Runden gelaufen, also 87 km, das bedeutete immerhin in der M70 Klasse der 4. Platz weltweit. Insgeheim dachte ich deshalb über 100 km nach, also 15 Runden – man muss ja noch Ziele haben. Ingo läuft diese Strecke ja sogar ohne stündliche Pausen …!
Aber es sollte anders kommen. Die ersten Runden waren noch gut zu laufen, aber nach Morgentau im Gras und kleinen Regenschauern musste ich einmal meine Schuhe und Strümpfe wechseln, zum Glück hatte ich noch trockene mitgenommen. Durchaus in Hektik, die „Pausen“ zwischen den Runden sind ja nur ein paar Minuten, musste ich dann noch meinen rechten kleinen Zeh abkleben, der oft bei langen Läufen, erst recht bei Nässe, abgedrückt wird, was mir aber nicht optimal gelang.

Aber bis etwa Runde 7 konnte ich damit gut laufen, mit dem Essen, was im Vorjahr ein Problem war, kam ich eigentlich auch gut hinterher (man verpflegt sich übrigens bei dieser Veranstaltung selbst), doch dann merkte ich, dass ich langsamer und die Pausen folglich kürzer wurden. Während ich vorher mir immer sagte, nach der 10. Runde sind es ja nur noch 5, kippte meine Motivation relativ plötzlich und mit einem Mal dachte ich: „Warum mache ich das hier eigentlich?“ Man sagt oft: Ultraläufe werden im Kopf entschieden, vielleicht ist es wirklich so? Jedenfalls hörte ich nach der 10. Runde einfach auf, auch weil ich sofort ohne Pause hätte weiterlaufen müssen.

Insgesamt war es eine schöne, abwechslungsreiche Veranstaltung, doch der Höhepunkt kam zu Hause: Vor dem Duschen wollte ich mein Pflaster entfernen, was aber (einschließlich Blase) so verklebt war, dass ich mir dabei gleich den Fußnagel vom kleinen Zeh mit abgerissen habe. Vielleicht ein Zeichen Gottes, das mich jetzt zu einer (hoffentlich nicht zu langen) Laufpause zwingt. Ihr seht also: Backyard-Ultra-Laufen macht Spaß: Man läuft einfach solange, wie man Lust hat. Das ATS Buntentor Ultra Team sucht ja immer Verstärkung! Gewonnen hat erst am nächsten Tag mittags nach unglaublichen 31 Runden und 207,7 km der 30-jährige Nikita Lipinski. Für mich hat es immerhin zu einer kleinen Erwähnung im dazugehörigen Weserkurier-Artikel gereicht: „Der älteste Teilnehmer war der 72-jährige Bremer Hartmuth Schlachter mit 67 Kilometern.“

Hartmuth von hinten - hier noch im vollen Feld morgens um 6 Uhr.